Ich möchte die Wäsche automatisieren, nicht das Schreiben

Warum der „ohne KI“-Trend wichtig ist

In letzter Zeit lese ich immer öfter den Slogan “ohne KI”. Prinzipiell sollte mich das als Data Scientist eher stören – arbeite ich doch jeden Tag daran, KI in Prozesse zu integrieren und live zu schalten. Doch ich mag diesen Trend, viel mehr noch: Ich halte ihn für entscheidend für unseren Diskurs über die Bedeutung von KI in den nächsten Jahren.

Dieser Trend hebt sich bewusst von der (berechtigten) KI-Kritik ab, die es schon seit einiger Zeit gibt. Dazu zählen: Urheberrechtsverletzungen durch intransparente Trainingsdaten von großen Modellen, weniger Aufträge für Künstler:innen, wenn Grafiken, Designs oder Musik durch KI-Erzeugnisse ersetzt werden, oder der unfassbar hohe Ressourcenverbrauch durch LLMs. Der “ohne KI”-Trend dagegen hebt bewusst Aktionen hervor, die “ohne KI” auskommen:

  • Musik, die von keiner KI nachgeahmt werden kann: “Angine de Poitrine” sind gerade ein großes Internetphänomen. Die zwei Künstler:innen aus Kanada spielen Musik, die sich außerhalb jeglicher Konventionen bewegt und trotzdem einen erstaunlichen Sog entwickelt.

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  • Buchempfehlungen, hinter denen Leseerfahrungen stecken und kein Algorithmus: Apps wie “Pagebound” stellen soziale Interaktionen in den Vordergrund und holen damit Teile des “alten” Internets zurück, ohne “For you”-Feeds und hervorgehobene Inhalte.

https://pagebound.co

  • Blogs mit echten sozialen Interaktionen, anstelle von KI-generierten News-Meldungen: Immer öfter sehe ich auch auf LinkedIn den Zusatz “hier schreibt ein Mensch”

Der Diskurs darüber, was wir bewusst „selbst“ machen wollen, weil es uns etwas bedeutet, und was wir gerne an die KI abgeben möchten, wird in den nächsten Jahren einer der wichtigsten überhaupt sein. Ich für meinen Teil möchte nicht das Schreiben automatisieren, nur damit ich mehr Zeit habe, meine Wäsche zusammenzulegen. Ich möchte lieber die Wäsche abgeben und mehr Zeit zum Schreiben haben.

Denn auch wenn alle KI-Optimierungen versprechen, dass wir dann “effizienter” sein werden: Was machen wir denn aktuell mit der zusätzlichen Zeit? Sind wir in der Zeit kreativer, oder sind wir dann nur noch “mehr” effizient, indem wir 10 Projekte gleichzeitig schaukeln, anstatt nur 5?

Wir sollten die Chance nutzen, dass wir KI aktuell nicht als Ersatz sehen müssen, sondern als Werkzeug. Wir können entscheiden, wofür wir das Werkzeug einsetzen möchten, am besten für das, was lästig ist: Berichte erstellen, Aufgaben planen, Checklisten abarbeiten. Und uns Zeit zurückholen für das, was uns erfüllt.

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